Panorama Rennsteig

Fünf-Tage-Bericht

1. Tag von Hörschel zur Brotteroder Hütte
Nach dem Einpacken eines Steines von der Werra geht es bergauf. Bei gutem Wetter in hübscher Landschaft erreichen wir nach kurzer Stärkung an einem Erbsenfeld, Clausberg.

Dort erklärt uns ein Fahrradfahrer, was es mit dem Stein auf sich hat: Mit der linken Hand über die rechte Schulter in Blankenstein in die Saale werfen und sich dabei etwas Wünschen. Am Besten wir wünschen uns Potenz bis ins hohe Alter.

Weiter entlang der Hügelpiste schrauben wir uns bergauf und genehmigen uns bei der "Hohen Sonne" ein Eis. Nach 30 km genießen wir an der Brotteroder Hütte das kurz vorher gekaufte Bier.
Erbsenfeld mit Fernsicht
Gegen 21 Uhr kommt ein Franke den Berg raufgestürmt. Er wolle den Rennsteig in vier Tagen gehen. 43 km am Tag seien ja kein Problem, bloß sein Zug hatte vier Stunden Verspätung. Er müsse jetzt auch weiter, um noch 13 km zu schaffen. Unsere letzten Gedanken an diesem Abend bestanden aus einer Mischung von: Wahnsinn! Respekt! Und: Wie bekloppt ist der denn?



2. Tag von der Brotteroder Hütte nach Oberhof (Stein 16)
Heute sind die An- und Abstiege etwas größer, denn wir müssen über den großen Inselsberg, Trockenberg und Jagdkopf. Nach dieser Berg- und Talfahrt gelangen wir zur Ebertswiese, wo wir unsere Brotzeit machen. Wir grüßen unter anderem drei "Kollegen" mit schwerem Gepäck, die wir drei Kilometer weiter wieder überholen.

An unserer Hütte Stein 16 angekommen, kommt abends ein Herr in Sandalen mit wunden und leicht blutigen Füßen vorbei. Er sei in Rula gestartet und die Sandalen sind von seinem Trekkingausrüster Aldi. Ca. 40 km in Sandalen zu laufen ist wohl nicht zu toppen, denken wir.

Doch dann kommt der "Ironman" aus Eisenach. Er ist heute gestartet. Aus Eisenach! Er hat ca. 16 km weniger als wir in zwei Tagen geschafft (63-16=47 km). Wenn er Frust hat, geht er den Rennsteig in drei Tagen, solange sein Hund mitmacht.
Hüttenabend in Gesellschaft Dann trudeln unsere Outdoor-Freunde vom Mittag ein, allerdings sind sie nur noch zu zweit. Dafür rückt ein befreundetes Pärchen aus Oberhof mit Grill, Brennholz und Schwedenfeuer an. Als es dann noch anfängt zu Gewittern sitzen wir zu neunt in "unserem" Nachtquartier.

Zwei erzählen, dass sie uns beim Wasserkauf am kleinen Inselsberg gesehen haben und auch die anderen kennen sich schon.

Nach dem Unwetter, Grillen und ein paar Bierchen löst sich alles einmählich auf. Nur Andi und Stefan unsere "Kollegen" bleiben in ihren Zelten vor unserer Hütte.



3. Tag von Oberhof (Stein 16) bis Masserberg
Nachdem Andi und Stefan ihr allmorgendliches Bier getrunken haben, geht es wieder los. Die beiden haben beschlossen unser Tempo mitzugehen. Besonders Andi spurtet ziemlich schnell los und zeigt uns wo der Hammer hängt.

Auf der höchsten Erhebung des Thüringer Waldes, dem Großen Beerberg genießen wir gemeinsam die tolle Aussicht. Nach dem Abstieg treffen wir den Sandalenmann wieder, der nun kostengünstige Turnschuhe trägt.

Bald erreichen wir die Alte Tränke und denken: Das muss der Himmel sein. Ein Bach von Wiesen eingesäumt und ringsherum Wald. Andi, unser Chefkoch, brät sofort Spiegelei, Schnitzel und selbst gesammelte Pilze mit Zwiebeln in Butter.
Alte Tränke Gesättigt geht es weiter über den Bahnhof Rennsteig bis kurz vor Neustadt, wo dunkle Wolken aufziehen. Andi und Stefan wird das hohe Tempo zum Verhängnis und wir sind vor ihnen einkaufen im Supermarkt in Neustadt. Die beiden haben genug für heute, während wir noch weitere 10 km bis Masserberg gehen wollen.

Nach einer Viertelstunde erfasst uns das vorher andeutende Gewitter und wir machen eine Zwangspause. Die letzten 7 km werden zur Zerreißprobe für unsere Fußsohlen.

Nachdem wir dann 36 Kilometer hinter uns gebracht haben wird ein adäquates Hotel gesucht. Die Dusche ist wohl das beste Erlebnis an diesem Tag.



4. Tag von Masserberg zum Ölschnitzsee
Nach einem herrlichen Frühstück geht es frohen Mutes über den Masserbergaussichtsturm zum 10 km entfernten Dreistromstein. Bis 13:30 Uhr bleiben wir, wie verabredet hier, um Andi und Stefan Zeit zu geben uns einzuholen. Die beiden schaffen es leider nicht im Gegensatz zum Sandalenmann, den wir erneut treffen.

Also ziehen wir weiter durch ein hektisches Neuhof und dann vorbei an ein paar Galloway-Rindern rein nach Bayern. Nach 29 Kilometern erreichen wir die schöne Clements-Major-Schutzhütte, die wir trotz Blutblasen unter meinen Füßen wieder verlassen.

Wir gehen weitere 11 km des Rennsteigs meistens entlang einer Bundesstraße. Uns wird klar, dass die Alternativroute östlich der Straße sicher besser gewesen wäre.

Die eingezeichnete Schutzhütte am Ölschnitzsee gibt es nicht. Stattdessen finden wir ein eingezäuntes kleines Freizeitareal vor. Da lief ja mal gar nichts rund.
Wegweiser am Dreistromstein
Erstmal wird gebadet und gekocht bis der Besitzer des eingezäunten Bootsanlegers kommt. Er vertreibt badende Jugendliche von der Veranda und berichtet uns von der installierten Webcam.

Der Himmel zieht sich zu und unsere Idee über eine trockene Nacht am See auf der Veranda rückt in weite ferne. Doch auf einmal bietet uns der Besitzer an unter dem Vordach zu campieren, um das kleine Areal zu bewachen. Wir nehmen das Angebot dankend an.

Nach heftigen Blitzen in weiter ferne und einem kurzen Besuch von einem jungen badelustigen Pärchen, das wir erfolgreich vertreiben, bekommen wir endlich ein wenig Schlaf.


5. Tag vom Ölschnitzsee nach Blankenstein
Heute soll der Rennsteig gänzlich bezwungen werden und es geht auf zu unserer letzen Etappe von 32 Kilometern bis Blankenstein. Ich gehe relativ bald auf dem Zahnfleisch, da die Blasen unter beiden Füßen an den Ballen nicht wirklich über Nacht heilen konnten.

Auf dem Fränkischen Rennsteig geht es zudem auf geteerten Wegen ohne Alternativroute los. Erst die Wegstücke auf dem ehemaligen Grenzstreifen gehören dann wohl zu den schönsten Abschnitten an diesem Tag.

Wir treffen einen weiteren Wanderer, der wohl eine "Tour de DDR" macht: Er ist schon den kompletten Erzgebirgsstieg gelaufen und will jetzt weiter auf dem Grenzweg gen Norden.
Felix wirft Stein in die Saale Da die Wolken mal wieder nichts Gutes verheißen, nehmen wir die Beine in die Hand um beim nächsten Imbiss unterzukommen. Während des heftigen Gewitters essen wir Schnitzel und Bratkartoffeln. Kaum haben wir aufgegessen, hört das Gewitter auf - welch ein Timing.

Kurz vor dem Abstieg ins Saaletal öffnet sich der Wald und die Wolken. Wir genießen die schöne Fernsicht über Franken und Thüringen bei herrlichem Sonnenschein.

Nach 169,3 km haben wir die Saale erreicht und werfen unseren wunschbeladenen Stein in den Fluss. Dies war wohl eine sehr schöne aber auch anstrengende Wanderung mit vielen interessanten Eindrücken.